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Okudschawa-Jubiläum

Am Sonntag fand im Deutsch-Russischen Kulturzentrum „Litera“ in Siegen ein Konzert zum 90.  Geburtsjahr des russisch-georgischen Dichters und Liedermachers Bulat Okudschawa (1924 – 1997) statt.
Mit seinen Liedern begründete Okudschawa in den 60er Jahren die Gitarrenlyrik, eine neue Musikrichtung, in der er  Texte mit Melodien interpretierte.
Im März 1956 trug Okudschawa seine vertonten Gedichte erstmals bei Freunden in der Wohnung vor. 1960 sang Okudschawa vor einem größeren Publikum im Leningrader "Haus der Kunstschaffenden". Eine wesentliche Voraussetzung für den Durchbruch der Gitarrenlyrik Anfang der 60er Jahre war die "Rehabilitierung" der Gitarre als Musikinstrument. In der UdSSR der 30er und 40er Jahre war die Gitarre als Symbol der Gaunerwelt offiziell verfemt worden.
Die offizielle "Verschwörung des Schweigens" um die Gitarrenlyrik wurde durch die Tonbandgeräte gebrochen. Diese technische Neuerung ermöglichte es, die Gitarrenmusik unabhängig von der Zensur einer unbegrenzten Anzahl von Hörern zugänglich zu machen. Die Auflage der Tonbandaufnahmen Okudschawas erreichte bereits in den 60er Jahren eine Million.
Okudschawa durfte in der UdSSR nur hin und wieder öffentlich auftreten. Einige seiner Texte wurden offiziell gedruckt. Doch seine erste Schallplatte erschien erst 1976, 20 Jahre nach der Entstehung der Lieder.
Bulat Okudschawa hat mehr als 200 Lieder und mehr als 1000 Gedichte geschrieben. Man nannte ihn  "die Seele einer ganzen Generation". In den 1990er Jahren trat Bulat Okudschawa in Sankt Petersburg auf, in Deutschland, in den USA, in Israel. Er starb 1997 auf einer Lesereise in Paris.
Einige seiner Lieder wurden am Sonntag im Russisch-Deutschen Kulturzentrum Litera präsentiert.
Der Sänger und Gitarrenspieler Michail Sacharov trug bekannte  und weniger bekannte Lieder von Bulat Okudschawa, aber auch einige seiner Gedichte vor. Okudschawa war Autor von mehreren Antikriegsballaden. Sie haben sich an diesem Abend besonders aktuell angehört.


VORZEICHEN

Wenn der schwarze Rabe fliegt
Hoch im Himmel - dann gibt´s Krieg,
Wenn er weite Runden dreht,
Wenn er weite Runden dreht,
Heißt es, los, zur Front abgehts!

Dass nie mehr ein Krieg geschieht,
Müsst ihr töten dieses Vieh,
Doch wie tötet man den Raben,
Doch wie tötet man den Raben -
Eine Flinte müsst ihr haben!

Schön lädt jeder ein Gewehr,
Keinem fällt das Schießen schwer,
Als die Ballerei beginnt,
Als die Ballerei beginnt,
Jede Kugel ihr Loch findt!

Sie kennt Mitleid nicht noch Gnad,
Jeden, den sie vor sich hat,
Ob er Feind, ob Freund genannt,
Trifft sie bis zum letzten Mann.

Keiner war mehr für sie da.
Nichts war mehr zu schießen da.
Nur der Rabe, schwarz und schön,
Nur der Rabe, schwarz und schön,
Kreist, als wäre nichts geschehn.

Lied "Das Gebet"
Solang sich noch die Erde dreht, solang das Licht noch währt,
Schenk, lieber Gott, doch jedem das, was er entbehrt:
Schenk Pfiffigkeit dem Weisen, dem Feigling schenk ein Pferd,
Schenk ein paar Scheinchen dem Glücklichen...
Denk auch an mich dabei, Herr!

Solang sich noch die Erde dreht, Herr, du hast die Macht,
Lass die, die danach gieren, sich sattfressen an Macht,
Dem Wohltäter gönn eine Pause, nur bis die Nacht anbricht,
Schenke doch Kain die Reue...
Denk, Herr, dabei auch an mich!

Ich glaube an deine Allmacht und deine Allwissenheit,
So wie der gefallne Soldat glaubt an Himmel und Ewigkeit,
So wie jedes Ohr deinen leisen Reden glaubt im Nu,
So wie wir selbst immer glauben,
Und wissen nicht, was wir tun!

Herrgott, du ewiger Vater, du Grünäugiger mein!
Solang sich noch die Erde dreht, was selbst ihr seltsam scheint,
Solange sie nicht stillsteht in Kälte und Finsternis,
Schenke doch allen ein wenig...
Mich, Herr, dabei nicht vergiss!

 

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